svu - Bulletin 2000/1

Vorbemerkung: Diese Internet-Version des Bulletin wurde nach bestem Wissen und Gewissen aus der Original-Version umgewandelt, trotzdem fehlen ihr diverse Merkmale der Original-Version (z.B. Layout). In Zweifelsfällen halten Sie sich deshalb bitte an die gedruckte Original-Version.

Inhalt


Artikel


Interpretation von Stichproben auf Orthophotos

Pol Budmiger, Sacra Tomisawa & Hubertus Schmidtke

Für Waldentwicklungs- und Landschaftsplanungen werden aussagekräftige Grundlageninformationen benötigt. Dabei ist der finanzielle und zeitliche Spielraum in den meisten Fällen sehr eng. Damit dies kein Widerspruch bleibt, wurde ein rechnergestütztes Verfahren entwickelt, mit welchem digitale Luftbilder in sehr rationeller Weise ausgewertet werden können. Auf einem dem Orthophoto überlagerten Stichprobenraster können die einzelnen Probepunkte am Bildschirm interpretiert werden. Die erfassten Daten werden direkt in eine Datenbank geschrieben und anschliessend statistisch ausgewertet werden. Das Verfahren hat sich in ersten Tests in Waldgebieten bewährt und eröffnet neue Möglichkeiten auch für grossflächige Landschaftsinventare oder beispielsweise für die Arealstatistik.

Die Firmen Grunder Ingenieure AG, Hasle-Rüegsau, und Silvaconsult AG, Winterthur, haben im Rahmen des Projektes «Methoden zur Nachhaltigkeitskontrolle im Wald mit Luftbildern und Orthophotos» mit finanzieller Unterstützung des Schweizerischen Fonds für die Wald- und Holzforschung eine neuartige Erfassungsmethode entwickelt. Hauptkomponenten des Verfahrens sind normalfarbige Orthophotos, ein graphisches Software-Modul zur Erzeugung eines Stichprobenrasters sowie eine Erfassungssoftware.
Orthobilder (entzerrte Luftbilder) mit einer Grundauflösung von 0.5 Metern sind Standardprodukte für die Vermessung und werden in naher Zukunft flächendeckend für die ganze Schweiz zur Verfügung stehen. Die stereoskopische Interpretation der Entwicklungsstufen aus Luftbildern ist erprobt. In Orthobildern gibt es durch das Fehlen des stereoskopischen Raumeindruckes einen gewissen Informationsverlust; Höhenunterschiede der Bestände können nicht direkt Ðgesehenð werden. Auch können Sichtschattenbereiche in Bestandeslücken nicht mit Hilfe des Stereopartners Ðüberbrücktð werden. Demgegenüber ist der einheitliche Massstab eine deutliche Stärke der Orthobilder. Das Hauptmerkmal zur Bestimmung der Entwicklungsstufe, der Kronendurchmesser, ist nicht durch radiale Punktversetzungen oder geländebedingte Massstabsunterschiede beeinflusst. Der konstante Massstab erleichtert die Interpretation der Enwicklungsstufe erheblich.

Abb. 1 Orthobild 1:4000 mit Rasterflächen

Der Mischungsgrad (Anteile Laub- und Nadelholz) lässt sich in der Regel auch monoskopisch gut unterscheiden. Die weitere Differenzierung nach Hauptbaumarten ist aber abhängig vom Bildmaterial und von der Entwicklungsstufe. Der Deckungsgrad der Oberschicht ist im Orthobild sehr gut abschätzbar, da die Blickrichtung meistens senkrecht ist.
Wie bei jeder Interpretation ist die Erstellung eines projektbezogenen Interpretationsschlüssels eine grosse Hilfe. Im Falle von digitalen Bildern können den Schlüssel jederzeit eingeblendet und direkt mit den zu interpretierenden Stichproben verglichen werden. Dieser direkte Ðon-screen-Vergleichð hat sich als sehr nützlich erwiesen. Für die erfassten Merkmale hat sich als günstiger Interpretationsmassstab am Bildschirm 1:1500 erwiesen. Damit liegt man mit der Bildschirmauflösung noch über der Pixelgrösse. Höhere Vergrösserungen bringen keinen Informationsgewinn. Für die Übersicht ist ein Massstab von 1:4000 günstig (Abb. 1).
Die Interpretation erfolgt an systematisch verteilten Rasterpunkten. Die Stichprobenfläche wird durch einen Kreis mit einem Winkel im Mittelpunkt gekennzeichnet. Der Kreisdurchmesser von 25 Metern ergibt eine Kreisfläche von ca. 0.2 Hektaren. Der Winkel in der Mitte des Kreises hat eine Schenkellänge von 4 Metern. Dieses konstante Mass erleichtert die Bestimmung der Entwicklungsstufe. Um die Bestandesdaten zu erfassen, wird der betreffende Rasterpunkt am Bildschirm angeklickt. Sofort erscheint eine Erfassungsmaske am Bildschirm (Abb. 2). Diese enthält automatisch die geographischen Koordinaten des Rastermittelpunktes. Die interpretierten Daten werden eingegeben und die Farbe des Stichprobenkreises wechselt von gelb auf rot. Damit ist in der Bildschirmübersicht immer deutlich, welche Bereiche bereits bearbeitet worden sind. Haben benachbarte Rasterpunkte dieselben Merkmale, so können die Daten über eine spezielle Programmfunktionalität sofort übernommen werden. Dies beschleunigt den Arbeitsablauf wesentlich. Die Daten werden direkt in eine Access- oder Oracle-Datenbank geschrieben und können mit vorbereiteten Abfrage- und Berichtsformularen statistisch ausgewertet und grafisch dargestellt werden.

Abb. 2 Erfassungsmaske

Das System basiert auf einem PC Pentium II mit einer Windows-Oberfläche und einem 20"-Bildschirm. Das Erfassungstool wurde auf GIS-Software von Intergraph und Geocom Informatik AG entwickelt. Eine Umsetzung auf anderer Basis-Software, wie z.B. Arcview, wird derzeit vorbereitet.
Die projektspezifischen Einrichtungen am Anfang der Bearbeitung erfordert einen gewissen Wissenshintergrund betreffend Sachdatenhandling, Datenbanken und digitale Bilder, jedoch keine Programmierungskenntnisse. Die Bedienung des eingerichteten Systems ist jedoch relativ einfach und erfordert normale PC-Anwenderkenntnisse. Die Interpretation selbst erfordert wiederum spe- zielles Wissen, das vorhanden sein oder angeeignet werden muss.

Beurteilung und Ausblick

Jede Interpretation bedeutet nicht Messung sondern gutachtliche Abschätzung. Eichung, Interpretationsschlüssel, Verifikation und Kontrollinterpretationen erlauben Fehlerquellen zu erkennen. Die Tests in Waldgebieten haben gezeigt, dass die Methode grundsätzlich geeignet ist und auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden kann. Im Vergleich zur stereoskopischen Erfassung auf Luftbildern ist die Effizienzsteigerung beträchtlich. Zudem entfallen praktisch alle Fehlerquellen bei der Datenübertragung, was ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Das Fehlen des Stereoeindruckes fällt hingegen in den meisten Fällen kaum ins Gewicht.
Das Verfahren ermöglicht eine rasche Datenerfassung für grossflächige Landschaftsinventuren und -monitoring. In Kombination mit terrestrischen Aufnahmen können sich sehr interessante Möglichkeiten zur Stratifizierung von statistische Auswertungen eröffnen. Die Methode kann sicher auch wertvolle Ideen für die Neukonzeption der Arealstatistik und das Landesforstinventar III liefern. Solange die automatische, digitale Interpretation noch nicht praxisreif ist, kann die Methode auch für die Auswertung von hochauflösenden Satellitenbildern in Betracht gezogen werden.
Der vollständige Forschungsbericht kann unter www.grunder. ch oder www.silvaconsult.ch heruntergeladen werden. Das Autorenteam ist an einer Weiterentwicklung der Methode sehr interessiert und freut sich auf Anregungen, Ideen und Fragen.

Pol Budmiger & Sacra Tomisawa, Grunder Ingenieure AG, Hasle-Rüegsau
Dr. Hubertus Schmidtke, Silvaconsult AG, Winterthur

Universität Zürich

Berufsumfrage bei den Absolventinnen und Absolventen des Nachdiplomstudiums Umweltwissenschaften der Universität Zürich

Dr. Susann Eichenberger-Glinz, Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich

Das Nachdiplomstudium Umweltwissenschaften an der Universität Zürich (NDS-UW) bietet Berufstätigen eine breite wissenschaftliche und zugleich praxisnahe Ausbildung in Umweltwissenschaften. In einer Umfrage haben sich 126 der bisherigen 196 Absolventinnen und Absolventen zu ihrer Berufssituation sowie zur Qualität der Ausbildung geäussert.


Das Nachdiplomstudium Umweltwissenschaften an der Universität Zürich

Das zweijährige berufsbegleitende Nachdiplomstudium Umweltwissenschaften an der Universität Zürich (NDS-UW) besteht seit dem Wintersemester 1989. Es bietet Berufstätigen, die sich umweltrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen wollen, eine breite wissenschaftliche und zugleich praxisnahe Ausbildung. Der Unterricht, der von Dozenten der Universität und von Fachleuten aus der Praxis erteilt wird, findet an zwei Tagen pro Woche statt. Die Schaffung des NDS-UW geht auf ein Postulat im Kantonsrat vom 5.11.84 zurück, das die «Einführung eines Nachdiplomstudiums und Fortbildungskursen in Ökologie an der Universität Zürich» verlangte.

Die Umfrage

Nachdem 1999 195 Studierende (118 Männer und 66 Frauen) das NDS-UW erfolgreich abgeschlossen hatten, sollte mit einer Umfrage die heutige berufliche Situation der Absolventinnen und Absolventen sowie ihre heutige Beurteilung des NDS-UW erfasst werden. Insbesondere interessierten uns folgende Fragen:
o Arbeiten Absolventinnen und Absolventen des NDS-UW heute häufiger im Umweltbereich als vor dem NDS-UW und in welchen Branchen sind sie zu finden?
o Welche Qualifikationen werden heute im Beruf gebraucht und in wieweit werden sie durch das NDS-UW vermittelt?

Grundlage für die Befragung bildete ein Standardfragebogen der ETH Zürich, mit dem diese regelmässig ihre ehemaligen Studierenden befragt. Er wurde an die Bedürfnisse des Nachdiplomstudiums angepasst. Der Fragebogen enthielt Fragen zur Person, zur Erstausbildung, zur beruflichen Situation vor und nach dem NDS-UW sowie Fragen zu den Qualifikationen durch das NDS-UW.
Von den 195 Personen, die zwischen 1991 und 1998 das NDS-UW erfolgreich abgeschlossen haben, konnten 184 erreicht werden. 126 davon schickten den Fragebogen ausgefüllt zurück. Der Rücklauf ist mit 68.5% erfreulich hoch. Es haben insgesamt 87 Männer und 39 Frauen an der Umfrage teilgenommen. Zum Zeitpunkt der Befragung lag der Studienabschluss 1 ­ 8 Jahre zurück (Tab. 1).

Tab. 1 Studienabschlüsse der Befragten
Studienabschluss Anzahl %
Vor 8 Jahren 20 15.9
Vor 6 ­ 7 Jahren 41 32.5
Vor 4 ­ 5 Jahren 34 27
Vor 1 ­ 2 Jahren 31 24.6

 

Alter und Geschlecht

Die Befragten waren bei Kursbeginn durchschnittlich 37.7 Jahre alt, die ältesten 54, die jüngsten 26. Männer waren im Schnitt jünger (Mittel 35.9) bei Kursbeginn als Frauen (Mittel 39.7). Während die Mehrheit der Männer im Alter von 30 ­ 35 Jahren das NDS-UW besuchten, waren viele Frauen zwischen 42 und 46.

Erstausbildung

85 der 126 Absolventinnen und Absolventen, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben ihre Erstausbildung an einer Hochschule erworben, 27 an einer höheren Fachschule (z.B. HTL, HWV), 8 haben ein Lehrer/innen-Seminar absolviert, die restlichen 6 eine Lehre. Mehr als die Hälfte der Abschlüsse entfallen auf den Bereich Naturwissenschaften (41%) und Ingenieurwissenschaften (21%), dies, obwohl sich das Studium ausdrücklich an Interessierte aus allen Disziplinen richtet (Abb. 1). Diese Ergebnisse entsprechen den Ausbildungswünschen, die Arbeitgeber 1997 in einer Umfrage der schweizerischen Hochschulkonferenz äusserten [1]. Sie bezeichneten einerseits eine Ingenieurausbildung, die mit einer Zusatzausbildung in Umwelttechnik oder eine naturwissenschaftliche Ausbildung, die durch eine umweltwissenschaftliche Zusatzausbildung ergänzt wird, als ideale Ausbildungsprofile für den Umweltbereich.

 

Abb. 1 Fachrichtungen der Erstausbildung in % der Befragten (n=126)

 


Beschäftigungssituation

 

Über 90% der Befragten waren vor Absolvierung des NDS-UW mindestens teilzeitlich berufstätig und sind es heute wieder (Tab. 2). Alle Personen, die heute arbeitslos sind, haben das Studium erst vor 1 ­ 2 Jahren abgeschlossen.

Tab. 2: Beschäftigungssituation der 126 Befragten
(Männer n = 87, Frauen n = 39)
Vor Nach
Beschäftigungsart NDS-UW NDS-UW
Männer Frauen Männer Frauen
% % % %
angestellt 86.2 74.4 72.4 64.1
selbständig 9.2 10.3 18.4 15.4
angestellt und selbständig 3.4 2.6 9.2 7.7
erwerbslos und auf Stellensuche 1.1 7.7 0 7.7
Weiterbildung 0 0 0 2.6
Familienarbeit 0 5.1 0 2.6

Männer hatten vor dem NDS-UW durchschnittlich ein sehr viel höheres Pensum als Frauen. So arbeiteten 78% der Männer und nur 32% der Frauen 80 ­ 100%. Dieser Trend ist heute noch ausgeprägter: 82% der Männer und nur 27% der Frauen haben heute ein so hohes Pensum. Trotzdem sind alle diese Frauen mit ihrem Pensum zufrieden, bei den Männern würden 8% ein geringeres Pensum bevorzugen. 6 Befragte suchten mehr bezahlte Arbeit, und dies sowohl vor dem NDS-UW als auch heute.

Arbeit im Umweltbereich

Die Umweltrelevanz der Tätigkeiten der Befragten hat nach Absolvierung des NDS-UW zugenommen. Waren vor dem NDS-UW 41% beruflich wenig oder sehr wenig mit Umweltfragen beschäftigt, so sind es heute nur noch 24%. Dagegen stieg der Anteil derer, die sich beruflich viel oder sehr viel mit Umweltproblemen beschäftigen, von 38% vorher auf 56.4% heute.


Erwerbstätigkeit nach Branchen

Am häufigsten arbeiteten die Befragten vor und nach dem NDS-UW im Bereich ÐUnterrichtswesenð (30%) und in Öko-, Ingenieur-, Architektur- und Planungsbüros (26%). Der hohe Anteil des Bereichs ÐUnterrichtswesenð erklärt sich wohl teilweise dadurch, dass sich das NDS-UW ausdrücklich an Lehrkräfte aller Schulen richtet und einige der ganz oder teilweise Selbständigen zusätzlich an Berufsschulen oder höheren Fachschulen unterrichten. In den Bereichen ÐÖffentliche Verwaltungð, ÐSelbständige Beratungð und ÐNGOsð arbeiten heute deutlich mehr Befragte als vor Absolvierung des NDS-UW. 31 Personen waren vor dem NDS-UW in verschiedenen Branchen beschäftigt, heute sind es 40. Von diesen sind heute 18 ganz oder teilweise selbständig (vorher 8).

Tab. 3 Erwerbstätigkeit nach Branchen (in % der Befragten);
n = 123; es waren mehrere Antworten möglich.
vor NDS-UW heute
Unterrichtswesen 27.6 30.1
Öko-, Ingenieur-, Architektur-, Planungsbüros 25.2 26
Öffentliche Verwaltung 13.8 19.5
Selbständige Beratung 8.9 16.3
Hochschulen 13.8 11.4
NGOs 4.1 8.1
Gesundheits-/Sozialwesen 4.9 6.5
Land-/Forstwirtschaft, Gartenbau 6.5 6.5
andere 4.9 6.5
Industrie 4.1 4.9
Sonstige Dienstleistung 5.7 4.9
Politik 3.3 4.9
Banken, Versicherungen 5.7 4.1
Verkehrswesen 4.1 3.3
Energie-/Wasserversorgung 0.8 2.4
Medien 3.3 2.4
Baugewerbe 1.6 1.6
Handel 0.8 0

Worauf legten Arbeitgeber Wert?

Nach Meinung der insgesamt 54 Personen, die nach Absolvierung des NDS-UW eine neue Stelle antraten und diese Frage beantworteten, legten Arbeitgeber den grössten Wert auf Berufserfahrung (Mittel 4.37 auf einer 5er Skala). An zweiter Stelle stand die Erstausbildung (Mittel 3.77), gefolgt von der Absolvierung des NDS-UW mit einem Mittel von 2.82, während sich das Thema der Zertifikatsarbeit als völlig unwichtig erwies (Mittel 1.57).

Qualifikation durch das NDS-UW

Das NDS-UW wurde rückblickend als gut bewertet (Mittel 3.8 auf einer 5er Skala). 60% beurteilten das NDS-UW als gut, 13% sogar als sehr gut. Für ihre heutige Tätigkeit brauchen die Befragten in hohem Masse Schlüsselqualifikationen wie Team- und Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Selbständigkeit, Fähigkeit zu Planungs- und Konzeptarbeit sowie zum Schreiben von Berichten (Abb. 2). Während dabei Team- und Kommunikationsfähigkeit als durch das NDS-UW relativ gut vermittelt beurteilt wurden, werden Konzeptarbeit/Planung und Berichte schreiben zu wenig vermittelt. Interdisziplinäres Arbeiten wird heute im Beruf in hohem Mass gebraucht, aber auch durch das NDS-UW entsprechend vermittelt. Die Schlüsselqualifikationen Kommunikationsfähigkeit und Fähigkeit zu interdisziplinärem Arbeiten wurden auch von Arbeitgebern in der bereits erwähnten Umfrage der Schweizerischen Hochschulkonferenz als wichtige Zusatzqualifikationen bezeichnet.
Fach- und Methodenwissen dagegen wurden eher stärker vermittelt als sie heute gebraucht werden; besonders ausgeprägt ist dies im Bereich Umwelttechnik (Abb. 2). Dies kann damit zusammenhängen, dass das Wissen hier sehr schnell veraltet, und bei fast 50% der Befragten der Studienabschluss 6 und mehr Jahre zurückliegt.

Abb. 2 Fähigkeiten und Kenntnisse, die heute gebraucht werden im Vergleich zur Vermittlung durch das NDS-UW (Mittelwerte auf einer 5er Skala)

Wie geht es weiter?

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Umfrage sollen bei der Ausgestaltung des neuen Kursprogrammes berücksichtigt werden. Der nächste Kurs beginnt im Herbst 2000. Anmeldefrist ist der 31. März 2000. Informationen dazu auf www.unizh.ch/uwinst oder beim Institut für Umweltwissenschaften, Winterthurerstr. 190, 8057 Zürich. Die Evaluation der gesamten Umfrage wird im Laufe des Frühjahrs in der Reihe «Berichte aus dem Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich» publiziert und kann für Fr. 5.­ dort bezogen werden.

[1] Froidevaux, D. (1997): Universitäre Ausbildung im Bereich Umwelt und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. Dokument 614/97 A, Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK), Bern.

SVU

Mitteilung des Präsidenten:
Analyse der Übergangsphase und Prognosen

Liebe Kolleginnen und Kollegen
Bald werden wir uns zu unserer ersten Generalversammlung im neuen Jahrhundert zusammenfinden (24.3.00!). Auf dem Programm steht die Wahl einer neuen Präsidentin oder eines neuen Präsidenten. Ausserdem erwarten den SVU in den kommenden Monaten einige tiefgehende strukturelle Entscheidungen. Deswegen schien es mir wichtig, die nun zu Ende gehende ÐÜbergangsphaseð (Interimspräsidentschaft) im Bulletin zu kommentieren.
Die letzten, unter dem Vorsitz von Bruno Oberle stehenden Jahre prägten mehrere positive Entwicklungen. Der Vorstand hat durch sein unablässiges Streben nach einer optimalen Organisationsform eine bessere Struktur erlangt: Es wurden ÐRessortsð zur besseren Verteilung der Kompetenzen und Verantwortungen unter den Vorstandsmitgliedern geschaffen, und ein Präsidium wachte über die Einhaltung der strategischen Ziele. Das Sekretariat hat sich konsolidiert. Die Romands Ðsind nach Bern gekommenð, der Verband hat seitdem einen besseren nationalen Zusammenhalt. Einige ÐZusatzprodukteð sind entstanden oder haben sich weiterentwickelt: Das Bulletin wird nun wieder intern hergestellt und erscheint seitdem zweisprachig, und ein viel gelobtes elektronisches ÐPinboardð wurde ins Leben gerufen. Zusammenarbeitsabkommen mit einigen Ausbildungsinstitutionen ermöglichten Rabatte für unsere Mitglieder bei Kursen und Tagungen. Mehrere Arbeitsgruppen haben für den Verband nützliche Initiativen entfaltet. Diese Liste der Aktivitäten könnte weiter fortgesetzt werden, was ich hier aber unterlassen möchte.
In die selbe Periode fällt auch eine Mitgliederbefragung, die zeigte, dass die SVU-Mitglieder im wesentlichen folgende drei Aktionen von Seiten ihres Berufsverbandes erwarteten: Förderung der Kommunikation und des Austausches von Informationen zwischen den Mitgliedern, Vertretung der Interessen der Mitglieder und Qualitätsgarantien der im Verband vertretenen Berufe (Dienstleistung, Ausbildung, usw.). Die erste Forderung ist mit den neuen ÐProduktenð verstärkt berücksichtigt worden, die beiden anderen konnten bisher nur eingeleitet werden. Der SVU wurde in mehreren Bereichen ­ wie Umweltmanagmentsysteme, Beziehungen zur Landwirtschaft, Märkte im Ausland ­ zu einem partnerschaftlich wirkenden Akteur auf nationaler Ebene. Überlegungen zur Qualitätssicherung wurden in Gang gebracht und führten zur Gründung einer Gruppe mit einer parallel zu den Verbandsorganen operierenden Überwachungsfunktion.
Obwohl der SVU den richtigen Weg eingeschlagen zu haben scheint, steht alles noch auf sehr schwachen Beinen, weil weitgehend ehrenamtlich gearbeitet wird: Die Verbandsarbeit wird von Personen geleistet, die es sich oft nur dank vorteilhafter Arbeitsbedingungen leisten können, ein bestimmtes Arbeitspensum dem Verband zu widmen und ihn so aktiv zu erhalten! Der Vorstand kann demzufolge bestimmte Ereignisse, Leerlaufphasen und Neuorientierungen kaum steuern.
Von dieser Feststellung und dem Wunsch nach einer stetigen Verbesserung der Dienstleistungen des SVU ausgehend, hat der Vorstand mehrmals mit dem Ziel getagt, über neue Möglichkeiten nachzudenken, wie das Wirken des Verbandes und seiner strategischen Organe (sowohl im Sinne einer besseren Qualität als auch einer höheren Professionalität) verstärkt und verbessert werden könnte. Mehrfach wurde die Schaffung eines Ðstrategischen Sekretärmandatsð (parallel zum heutigen Ðadministrativen Sekretariatð) vorgeschlagen. Obwohl diese Idee heute anscheinend die Mehrheit der Mitglieder befürwortet, fehlt es zu ihrer Verwirklichung leider noch an den Mitteln.
Aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren benötigt der Präsident ein Minimum von 30 Tagen, um die aktuellen Aktivitäten am Laufen zu halten. Darin nicht enthalten sind die strategische Planung und Weiterentwicklung des Verbandes. Wenn wir eine verstärkte Interessenvertretung (Lobbying) bei gleichbleibender Qualität für die diversen Projekte und Vorhaben erreichen wollen, müsste das Arbeitspensum mindestens verdoppelt werden, was einem 30- bis 35%-Posten entsprechen würde. Die Finanzierung einer solchen Professionalisierung stellt den SVU jedoch vor eine delikate Entscheidung: Sollen umfangreiche Einsparungen erzielt werden, indem bestimmte betriebsgebundene Kosten und Aktivitäten mit anderen Verbänden oder Institutionen geteilt werden, oder sollen die eigenen Ressourcen weiter ausgeschöpft werden, indem die Einkünfte gesteigert und bestimmte Posten des aktuellen Budgets gekürzt werden. Der Vorstand studiert momentan beide Varianten, in der Hoffnung, den TeilnehmerInnen der Generalversammlung bereits Vorschläge unterbreiten zu können.
Trotz der Unschlüssigkeit hinsichtlich eines oder zweier Dossiers ­ was grösstenteils an den zu wenig professionellen Möglichkeiten liegt ­ möchte ich hier das Ergebnis der Arbeit der vergangenen Jahre als sehr positiv bewerten. Ich möchte an dieser Stelle allen Vorstandsmitgliedern für ihr Mitwirken danken. Ein ganz besonderes Lob an Bruno, der seine Zukunftsvorstellungen konkretisieren konnte, sowie an Silvia, die für uns ehrenamtliche Arbeiter stets geduldig zur Verfügung stand. Weil ich andere Herausforderungen angenommen habe, muss ich die Präsidentschaft abgeben. Ich hoffe, dass mein/e NachfolgerIn ihre/seine ganze Energie einbringen wird, die das Verbandsinteresse erfordert. Abschliessend möchte ich Martina meinen besonderen Dank für ihre Unterstützung aussprechen, die mir während der eher delikaten Interimsphase zuteil wurde.
Gilles Mulhauser, Präsident ad interim

Um die Bemühungen um eine Professionalisierung des Verbandes wie bisher fortzusetzen, hat der Vorstand an seiner Sitzung vom 11. Februar beschlossen, als Kandidaten für die Präsidentschaft Yves Leuzinger und als VizepräsidentInnen Martina Blanke und Stefano Wagner vorzuschlagen. Da es sich dabei um einen Vorschlag handelt, ist jedes Mitglied, das sich von den oben geschilderten Herausforderungen angesprochen fühlt und die notwendigen strategischen Visionen entwickeln kann, aufgerufen, seine Kandidatur für die Präsidentschaft bis zum 5. März 2000 bei der Geschäftsstelle in Bern einzureichen.

Impressum
Das Bulletin des Schweizerischen Verbandes der Umweltfachleute (SVU) erscheint 6 mal jährlich in deutscher und französischer Sprache.
Druckauflage: 900

Internet: http://www.ambios.ch/svu

Hauptredaktion
Dr. Gabi Gerlach, Dr. Andreas Bally, BiCon AG - Institut für angewandte Umweltwissenschaften, Bodanstr. 19, 8280 Kreuzlingen
Tel. 071 672 28 68
Fax. 071 672 28 69
email: bicon@access.ch
Redaktion für die französisch- und italienischsprachige Schweiz:
Sarah Pearson,
rue Micheli-du-Crest 18, 1205 Genève
Tél 021 619 44 56
Fax 022 329 36 46
e-mail: s.pearson@srva.ch

 

Übersetzung:
Daniela Periama (dp)

Sacra Tomisawa (st)


Geschäftsstelle des SVU:

Silvia Müller
Brunngasse 60, 3011 Bern
Tel. 031 311 03 02
Fax. 031 312 38 01
email: svu@thenet.ch